Botschaft von Papst Benedikt XVI.
zum 50jährigen Bestehen des Johann-Adam-Möhler-Instituts
In diesen Tagen darf das "Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik" in
Paderborn auf fünfzig Jahre seines Bestehens zurückblicken. Die
Gründung des Instituts durch den damaligen Erzbischof Kardinal Jaeger
spiegelt das Bewußtsein vieler von der Notwendigkeit der Überwindung
der Glaubensspaltung des 16. Jahrhunderts wider. Gerade das gemeinsame
Erleiden der nationalsozialistischen Diktatur und der Katastrophe des
Zweiten Weltkriegs haben in nicht wenigen Gläubigen in Deutschland das
Verlangen nach einer Wiedervereinigung der getrennten Christen wachsen
lassen. Ich selbst habe mich bald nach seiner Gründung in den Dienst
des Möhler-Instituts gestellt, aus dem heraus nicht wenige
wissenschaftliche Werke entstanden sind, die die ökumenischen
Bestrebungen zu fördern vermochten. Auch darf die Mitarbeit von
Mitgliedern des Instituts am Ökumenismus-Dekret des Zweiten
Vatikanischen Konzils nicht vergessen werden. Dieses Erbe verpflichtet!
Ebenso verpflichtet aber auch der Name des Instituts selbst. Denn seine
Benennung nach dem großen Tübinger Theologen Johann Adam Möhler hat ein
Programm vorgegeben. Der Name des Gelehrten, der durch seine im Jahre
1832 erstmals erschienene "Symbolik, oder Darstellung der dogmatischen
Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren öffentlichen
Bekenntnisschriften" zum Klassiker der ökumenischen Theologie geworden
war, kann und soll auch heute den Weg weisen, der zur Verwirklichung
des Auftrags des Herrn führt: "Alle sollen eins sein" (Joh 17, 21). Die
Grabinschrift Johann Adam Möhlers nennt den Theologen "defensor fidei,
litterarum decus, ecclesiae solamen". In ein Programm übersetzt mag
dies bedeuten, daß Treue zum geoffenbarten Glauben, ernste
Wissenschaftlichkeit und Liebe zur Kirche als Stiftung Christi jene
Elemente sind, auf denen ökumenisches Engagement aufbaut. Damit das
Streben nach der Einheit der Christen fruchtbar wird, müssen sich dazu
das inständige und beharrliche Gebet um die Führung des Heiligen
Geistes und das stets neue, aufrichtige Bemühen um gegenseitige
brüderliche Liebe gesellen. Das gemeinsame Zeugnis der an Jesus
Christus, den menschgewordenen Logos, Glaubenden in der heutigen Welt
wird um so mehr seine Wirkkraft entfalten, je mehr es mit einer Stimme
gegeben wird. Das "Johann-Adam-Möhler-Institut" möge in diesem Sinne
auch in Zukunft weiterhin seinen gewichtigen Beitrag leisten. Dazu
erteile ich allen seinen Mitarbeitern und Förderern von Herzen den
Apostolischen Segen.
Benedictus PP XVI