Segmente der Ausstellung
Sie war aufgeteilt in sieben thematische Segmente:
1
Von der einen Kirche zu den vielen Konfessionen
Luthers
Ablassthesen von 1517 wurden zum Auslöser der Reformation. Gedacht als
Reform der Kirche führte sie aber zur Spaltung der Westkirche in eine
Vielzahl von Kirchen. Die Antwort der katholischen Kirche mit dem
Konzil von Trient (1545-1563) nahm zwar das Reformanliegen auf, kam
aber zu spät, um die Spaltung noch aufhalten zu können. Mit dem
Augsburger Religionsfrieden 1555 und dem Ende des Dreißigjährigen
Kriegs 1648 wurde das Faktum der Kirchentrennung festgeschrieben, das
die Ordnung der Kirchen bis heute prägt. Zunehmend trat damit die
Betonung des Trennenden in den Vordergrund (evangelische Kirche als
"Kirche des Wortes" - katholische Kirche als "Kirche des Sakraments"),
während das Gemeinsame zu wenig wahrgenommen wurde.2
Entwicklung der Ökumenischen Bewegung

Willem Adolf Visser't Hooft
3
Ökumene im Dritten Reich

Max Josef Metzger
Dass evangelische und katholische Christen gleichermaßen durch das Nazi-Regime bedrängt wurden (teils im verborgenen, teils in offenem Kampf), führte zu einer bis zu diesem Zeitpunkt nicht gekannten Solidarisierung und wurde zum Katalysator für eine Annäherung auf verschiedenen Ebenen.
Nach 1933 kam es zu zahlreichen ökumenischen Initiativen, angefangen von interkonfessionellen Konferenzen (den ersten seit dem 16. Jh.) über theologische Veröffentlichungen bis hin zu Gesprächskreisen in vielen Gemeinden. Im Widerstand gegen Hitler, etwa im Kreisauer Kreis, wirkten evangelische und katholische Christen bewusst zusammen und entwarfen die Grundrisse einer neuen Gesellschaftsordnung.
Von der Geheimpolizei wurde die Ökumene daher als Versuch der Kirchen aufgefasst, eine "gemeinsame Abwehrfront" gegen den Nationalsozialismus zu bilden.
4
Paderborn als Wegbereiter der Ökumene

Lorenz Jaeger
In der Zeit der nationalsozialistischen Vorherrschaft entstand eine neue Form des interkonfessionellen Gesprächs unter evangelischen und katholischen Christen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs konnte unmittelbar an diese ersten ökumenischen Kontakte angeknüpft werden. Es entstanden ökumenische Arbeitskreise, Organisationen und Institute. 1946 gründete der Paderborner Erzbischof Lorenz Jaeger zusammen mit dem evangelischen Landesbischof von Oldenburg Wilhelm Stählin den Ökumenischen Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen. 1957 gründete Jaeger das Johann-Adam-Möhler-Institut, 1960 beteiligte sich dieses Institut an der Gründung des Päpstlichen Einheitssekretariats.
5
Vatikanum II

Johannes XXIII.
Der im Jahr 1958 zum Papst gewählte Angelo Roncalli kündigte am 17. Mai 1959 das Zweite Vatikanische Konzil an. Papst Johannes XXIII. erhoffte sich für die Kirche eine Erneuerung in Leben und Lehre. Das Konzil legte erstmals in der Geschichte der Kirche eine Lehre von der Kirche vor, die Ausgangspunkt für die ökumenischen Beziehungen und Bemühungen wurde. Das Konzil verabschiedete 1964 das für alle ökumenischen Beziehungen der katholischen Kirche bis heute grundlegende Ökumenismusdekret "Unitatis redintegratio".
6
Ökumenische Dialoge - Schritte auf dem Weg zur Einheit

Petrus-Andreas-Ikone
In ökumenischen Dialogen bemühen sich Vertreter der Kirchen, durch die Klärung von Missverständnissen im Blick auf bestimmte konfessionelle Überzeugungen die oft jahrhunderte alten Vorurteile zu überwinden und die gemeinsamen Glaubensgrundlagen wieder aufzudecken. Die gegenseitige Taufanerkennung bezeugt die schon bestehende Gemeinschaft aller Getauften in Christus. Mit der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" wurden die Ergebnisse langjähriger ökumenischer Gespräche von den Kirchen offiziell rezipiert. Das Möhler-Institut unterstützt den ökumenischen Dialog durch eigene Initiativen.
7
Aufgaben der Ökumene heute

Begegnung des Papstes
mit anderen Religionsführern in Assisi 1986
Christliche Ökumene kann heute nicht mehr nach der sichtbaren Einheit der Kirche suchen, ohne die jüngsten globalen Veränderungen auch als eigene Herausforderungen zu begreifen. Dazu gehört die Beachtung kultureller, weltanschaulich-religiöser, sozialer und wirtschaftlicher Pluralisierungen in Staat, Gesellschaft und Kirche. Zugleich ist aber erkennbar, dass viele ökologische und ethische Fragen die Menschheit als ganze betreffen. Sie erfordern ökumenisches Engagement auf allen Ebenen.

